Slow down 2

Inner Coaching hat oft etwas Meditatives. Peter Spang und andere haben nicht ohne Grund den Zusammenhang zum Zen und zur Meditation hergestellt. Um die Wirksamkeit einer Übung erleben zu können braucht es ein anderes als das westlich-europäische „Jetzt-aber-gleich und sofort“ Zeitverständnis. Es macht Sinn, sich in einer Trainingseinheit für Inner Coaching Drills 15 bis 20 Minuten Zeit zu nehmen.

 

Ziele (Abstand bestimmen 2)

Sportler sind oft überfordert, wenn sie sich in einer Spielsituation mit der „richtigen Technik“ beschäftigen. Dann fehlt Ihnen die Brainpower um wahrzunehmen, was beim Schlag tatsächlich geschieht. Sie können dann zwar angeben, ob der Ball „gut“ oder „aus“ war, aber nicht, wie weit sie das eigentliche Ziel verfehlt haben.

Aber für die „richtige Technik“ gibt es keine Punkte im Tennis – die mag vielleicht im Eiskunstlauf eine Bedeutung haben. In den Rückschlagspielen zählen letztlich nur ins Feld gespielte Bälle! Zahlreiche Untersuchungen zum motorischen Lernen zeigen deshalb, dass sich effektive Bewegungslösungen dann ergeben, wenn zum Beispiel auf (externe) Ziele gespielt wird.

Ziel der folgenden Übung ist es, wahrzunehmen, wo der von mir geschlagene Ball landet. Wenn mein Schlag vier Meter vor der Grundlinie landet, dann verbalisiere ich das laut mit „4“. Wenn der Ball zwei Meter im Aus landet, das ist das „-2“. Aufgabe ist es also, die Entfernung vom Ziel (in diesem Fall die Grundlinie) „auszusprechen“. Aufgabe des Coaches ist es dabei, die Spielerinnen zu unterstützen und Feedback zu geben. In der Regel tun sich Spieler zu Beginn der Übung schwer, weil sie bisher wenig Aufmerksamkeit auf diese Ziele gelegt haben oder schon zufrieden waren, wenn sie den Ball ins Feld gespielt haben. Nach einer gewisssen Zeit wird diese Übung zu einer wichtigen Informationsquelle für passende Bewegungslösungen.

Diese Übung ist auch gut für Beginner. Sie sind noch mehr mit der „richtigen Technik“ beschäftigt (vielleicht sind es aber auch mehr die Trainer!?) Sie glauben, wenn sie die „richtige Bewegung“ anwenden, wird der Ball schon ins Feld gehen. Tennis basiert aber vor allem auf einem guten Körper- und Bewegungsgefühl, nicht auf technisch richtig ausgeführten Schlägen. Und so gibt die Konzentration auf den Abstand zu einem Ziel sofort die notwendige Rückmeldung über die beste Bewegungsausführung und vermittelt dem Spieler das erforderliche „Selbst-Bewußtsein“.

Inside the box

Under time and emotional pressure the human brain prevents to resort to supposedly proven solution strategies. Especially in our communication strategies,  it happens for example in a violent emotional confrontation, that we rely on learned behavior patterns and recourse to familiar patterns of action. This could be described as „inside-the-box“ strategies. These are patterns of behavior that are familiar to us from our childhood or from our experience that we can supposedly „rely“ on, but these patterns often do not match the current problems.

Tennis Coaches who spend a lot of time to play the balls during practice in the direction of their client know about this problem. Playing matches in tournament, they fall back.
Actually there are few sportsmen who spend more hours on the court and „practice“ more than the coach himself! But in the competitive situation – under stress – they very often use the known behavior pattern: they play the ball in the middle, play the the net-advancing opponent the ball „handsome“ at shoulder height, play their own attacking ball slowly and reachable into the field, …..

Unter emotionalem und zeitlichem Druck neigt das Gehirn des Menschen dazu, auf vermeintlich bewährte Lösungsstrategien zurückzugreifen. Vor allem in der Kommunikation passiert es in Stressituationen, zum Beispiel bei einer heftigen emotionalen Auseinandersetzung, das wir auf erlernte und uns vertraute Handlungsmuster zurückgreifen. Das könnte man als „inside-the-box“-Strategien bezeichnen. Das sind Handlungsmuster, die uns aus unserer Kindheit oder aus unserer Erfahrung vertraut sind, auf die wir uns vermeintlich „verlassen“ können, die aber oft gar nicht zur aktuellen Problematik passen.

Tenniscoaches, die viel Zeit damit verbringen, ihren Trainingsteilnehmer/innen die Bälle zuzuspielen, kennen diese Problematik zur Genüge. Eigentlich gibt es ja wenige Sportler/innen, die mehr Stunden auf dem Platz verbringen und mehr „trainieren“. Doch in der Wettkampfsituation greifen sie – unter Stress – auf bekannte Handlungsmuster zurück: sie spielen den Ball in die Mitte, spielen dem ans Netz vorrückenden Gegner den Ball „schön“ auf Schulterhöhe zu, spielen den eigenen Angriffsball langsam und erreichbar ins Feld, etc.

Den Umgang mit Stress trainieren

Stresssituationen im Wettkampf lassen sich nur schwer simulieren. Dennoch lassen sich im Training Bedingungen schaffen, die Stress verursachen und damit zu einer Verbesserung des Umgangs mit Stress im Wettkampf beim Sportler führen können:

  • Beobachtung des Trainings durch Zuschauer/innen
  • eine laufende Videokamera
  • ”golden goal“ Entscheidungen in Spielformen: z.B. „der nächste Ball entscheidet“
  • ”do or die“ Situationen
  • Störgeräusche
  • widrige Platzverhältnisse
  • kritische Bemerkungen von Trainingspartner/innen
  • Trainingsmatches mit Trainingspartnern mit einer unangenehmen Spielweise
  • Matches gegen Spieler, gegen die man auch im Training ungerne verliert

Edelweiss

Im Volleyballtraining hört man oft den Namen der Stadt „Amsterdam“, mit der Betonung der drei Silben „Am-ster-dam“. Profigolfer hört man beim Putten im Selbstgespräch vom „Edelweiss“ reden. Beides hat was mit der Verbesserung des Bewegungsgefühls zu tun (Rhythmusschulung), aber vor allem ist es eine Methode, um das Nachdenken über die Bewegungstechnik auszuschalten.

Das Nachdenken über den Bewegungsablauf in Stresssituationen führt in fast allen Sportarten zum Scheitern („choking under pressure“). Der Einsatz „kognitiver Brainpower“ beim Nachdenken lähmt die automatisierte Ausführung der Bewegungsausführung. Ich kann nicht gleichzeitig nachdenken und handeln. Auch Vermeidungsdenken (wenn ich z.. B. beim Tennis denke: „jetzt nur keinen Doppelfehler machen“ oder „bloß nicht den Ball ins Netz spielen“) verstopft den Arbeitsspeicher im Gehirn und führt sehr oft genau zu dem, was ich vermeiden möchte.

Wenn der Tennisspieler nun stattdessen beim Aufschlag zum Beispiel an die Pflanze Edelweiss denkt und sie sich auch noch bildlich vorstellt,  und dann die drei Silben Ed-el-weiss mit seiner Aufschlagbewegung „synchronisiert“, also in „Einklang“ bringt, dann erleichtert ihm das das Erlernen der Bewegung oder die Ausführung der schon automatisierten Bewegung im Wettkampf.

Um dies im Wettkampf anwenden zu können, denn dort treten ja gerade die „choking under pressure“ Situationen auf, muß dieser Mentaltrick im Training eingeübt werden. Manchmal kann es hilfreich sein, sich ein Foto vom Edelweiß (siehe oben) auszudrucken und in die Tennistasche zu stecken. Auch die bildliche Vorstellung des Edelweiß muß trainiert werden.

Aufmerksamkeit und Bewegungslernen 2

Ein netter Kollege, Oliver Wagner, Volleyballtrainer kurz vor der A-Lizenz und Blogger auf www.volleyblog.net, hat mich schon vor Monaten auf die Verbindungen zwischen Inner Coaching und den wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Motor Learning hingewiesen. Doch erst nachdem ich eine Studie von Dr. Gabriele Wulf gelesen habe (“Bewußte Kontrolle stört Bewegungslernen”), habe ich das – glaube ich – richtig verstanden.

Gestern habe ich mir deshalb von Frau Wulf, inzwischen an der University of Nevada in Las Vegas, das Buch „Aufmerksamkeit und motorisches Lernen“ bei meiner Lieblingsbuchhändlerin bestellt. Heute lag es schon im Briefkasten und jetzt freue ich mich auf viele neue Informationen zum Thema Bewegungslernen!

Ich hoffe, es ist eine Fortschreibung der Studie „Bewußte Kontrolle stört Bewegungslernen“ mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen, wie Lernen tatsächlich funktioniert. Enthalten ist im Buch auch ein Kapitel zum Tennistraining. Darauf bin ich natürlich besonders gespannt.

 

Aufmerksamkeit und Bewegungslernen

Wer lange sucht……

Nach der Lektüre des Beilock Buches „Choke“ war ich mir unsicher, in wie weit es Untersuchungen gibt, die zeigen, dass die Beanspruchung des frontalen Cortex nicht nur bei Spitzensportlern die optimale Performance verhindert. Beilock zeigt in vielen schönen Beispielen, wie Sportprofis an vermeintlich einfachen Aufgaben scheitern, sobald sie unter Druck stehen und beginnen über eigentliche automatisierte Bewegungen nachzudenken.

Heute habe ich eine schon etwas ältere Studie von Dr. Gabriele Wulf gefunden. In Spektrum der Wissenschaft 4/1998 beschreibt sie unter der Überschrift „Bewußte Kontrolle stört Bewegungslernen“, dass im Bewegungslernen Technikanleitungen „schädlich“ sind, da sie die Aufmerksamkeit auf die eigene Bewegung lenken und den Fokus „nach innen“ richten. Zitat: „Anscheinend ist die motorische Steuerung von Bewegungen ein automatisch ablaufender Prozeß, der durch bewußte Einflußnahme in der Regel nur gestört wird.“

Untersucht hat sie dies an Gruppen von Skifahrern, Golfspielern und beim Balancieren auf dem Stabilometer. Die Gruppen, die technische Hinweise zur Bewegungsausführung bekamen, schnitten bei den abschließenden Tests bezüglich Bewegungsfluß und Bewegungsgeschwindiggkeit deutlich schlechter ab, als die Gruppen die keinerlei technische Anleitung bekommen hatten. Am besten schnitten jedoch die Testgruppen ab, deren Fokus „nach außen“ gerichtet wurde. Beim Balancieren auf dem Stabilometer wurde dieser Gruppe z.B. empfohlen, zwei Punkte auf dem Balanciergerät auf gleicher Höhe zu halten. Der Fokus wird nicht auf die Bewegung an sich gerichtet (innerer Fokus), sondern auf den Effekt gelenkt, der damit bewirkt werden soll (externer Fokus).

Im  Tennis Training nach Inner Coaching Prinzipien finden wir diese Vorstellung wieder, wenn der Spieler die Aufgabe bekommt, auf Ziele zu spielen, die Rotation des Balles zu beobachten, etc..

Der Tennistrainer wird also im Inner Coaching nicht überflüssig, sondern er ist dafür zuständig, die passenden Aufgabenstellungen zu erfinden, um den Fokus von innen nach außen zu richten, dass heißt auch, die Rahmenbedingungen im Tennistraining so zu verändern, dass sich eine erfolgversprechende Technik beim Spieler entwickeln kann (höhere Netze, kleiner Spielfelder, Ziele, unterschiedliche Bälle, Beobachtungsaufgaben, etc.).

Quelle: http://www.spektrum.de/alias/dachzeile/bewusste-kontrolle-stoert-bewegungslernen/824503

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