Sportvereine sind nur ein Teil der Lösung

Die Forderungen der Sportvereine sind richtig. Zwei Drittel der Kinder im Grundschulalter sind Mitglied in einem Sportverein. In einer immer stärker institutionalisierten, zergliederten und pädagogisierten Kindheit sind sie für Bewegung zuständig. Mit allen Effekten von Bewegung für eine gesunde Entwicklung (emotional, sozial, kognitiv, motorisch, körperlich, psychisch). Notwendig ist aber das gleichzeitige politische Engagement für eine Straßenspielkultur. Die Sportvereine sind nur ein Teil der „Tragödie“ und nur ein Teil der Lösung. Der Mangel an kommunalen Freiräumen für Spiel und Bewegung war im ersten Lockdown so gut wie aufgehoben (weniger Autos unterwegs, mehr frei verfügbare Zeit). Im Frühjahr 2020 haben sich deutlich mehr Kinder im Freien bewegt als vor dem Lockdown – auch ohne Vereinssport. Im zweiten Lockdown hat sich das nicht fortgesetzt. Schlechtes Wetter, kaum Reduzierung des Verkehrs in der Stadt, Kinder wieder in festen Zeitstrukturen. Als Sportcoaches und „Bewegungsanwälte“ sind wir gefordert, uns politisch für eine bewegte Kommune, für eine bewegungs- und spielgerechtere Stadt- und Quartiersplanung, für eine Veränderung der Bildungslandschaft (mit einem schärferen Fokus auf Bewegung und Spiel) einzusetzen. Auch in den Bildungs- und Betreuungseinrichtungen haben Bewegung und freies Spiel einen untergeordneten Stellenwert. Das wird in Corona noch mal deutlicher.