Slow down

Zeit verlieren, um Zeit zu gewinnen

In dem Kapitel “Die psychische Uhr” beschreibt Robert Levine in seinem Buch “Landkarten der Zeit” ein Phänomen der Zeitwahrnehmung bei Spitzensportlern: “Moderne westliche Athleten sprechen in ihren eigenen Zen-ähnlichen Begriffen über die Zeitausdehnung. Tennisstar Jimmy Connors hat Situationen beschrieben, in denen sein Spiel eine, wie er fühlte, transzendente „Zone“ erreicht hatte. In diesen Momenten, so erinnert er sich, wirkte der Ball riesig, als er über das Netz kam, und schien in Zeitlupe zu schweben. Er hatte das Gefühl, daß er alle Zeit der Welt habe, um zu entscheiden, wie, wann und wo er den Ball treffen sollte. In Wirklichkeit dauerte seine Ewigkeit natürlich den Bruchteil einer Sekunde….”

Diese Erlebnisse haben nicht nur Spitzensportler. Auch der Tennis-Beginner und Freizeitspieler kann solche Momente erleben, in denen er/sie die Zeit vergißt und “völlig mit dem Spiel eins” wird.

Slow down

Ablenkungseffekt

Vielleicht erinnert Ihr Euch! Ich hatte in einem anderen Beitrag die Frage gestellt, wie es zu den beschriebenen Phänomenen bei „sinn-losen Interventionen“ im Training kommen kann. Diese Woche hat mir eine Teilnehmerin, nachdem eine solche Intervention erfolgreich war, rückgemeldet, dass es ihrer Meinung nach der „Ablenkungseffekt“ war, der die positive Veränderung herbeigeführt hat. Also eigentlich eine klassische „Trick the mind-Geschichte“!?  Die Intervention war: beim Smash hat sie den Ball fast immer mit dem Rahmen getroffen. Die Intervention sah so aus, dass sie beim Schlagen mal nur auf ihren linken Arm (sie ist Rechtshänderin) achten soll. Danach hat sie die Bälle sauber getroffen!

Atmung

Zu den intensivsten und wichtigsten Inner Coaching Übungen gehören die, in denen die Spieler aufgefordert sind, beim Schlag auf ihre Atmung zu achten. Dies kann zum Beispiel so aussehen, dass der Spieler nur auf seine Atmung achtet, ohne sie zu bewerten. Im Feedback mit dem Coach berichtet der Spieler dann über „seine Atemtechnik“. Eine andere Variante ist, die Atemtechnik vorzugeben. Zum Beispiel soll der Spieler sich vorstellen, dass er den Ball beim Ausschwung „über das Netz pustet“ („wie eine Gänsefeder, die über das Netz fliegt“)

Meditativ

Ein „Drill“ zur Verbesserung der Körperwahrnehmung als „Trick the mind“-Übung. Zur Verbesserung der Konzentration) und/oder zur Entspannung (meditativ): „Achte beim Spielen nur darauf, welche Geräusche Deine Füße auf dem Boden machen“ (zum warm-up und zum cool-down von der T-Linie)

Später Treffpunkt

Wenn der Spieler ein immer wiederkehrendes Problem mit einem (Tennis-)Schlag hat, dann versuche es mit einer ’sinnlosen Intervention‘. Karin trifft, so die Einschätzung des Coach, lange Bälle oft zu spät. Dadurch gerät sie in Stress und ‚überzieht‘ die Bewegung. Der Coach thematisiert dies zuerst nicht, sondern bittet Karin nun darum, den Focus nur auf ihren linken Fuß zu richten und spielt ihr abwechselnd lange und kurze Bälle zu. Diese scheinbar ’sinnlose‘ Intervention führt, so die Erfahrung in vielen Trainingseinheiten, oft zu mehr Gelassenheit beim Schlag und zu eigenständigen Lösungen des „Problems“.

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